Andachten

Andacht November 2019

Grüß Gott miteinander!

Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Totensonntag – die Gedenktage im November konfrontieren uns mit unserer Vergänglichkeit und lassen Gedanken und Bitten in uns wach werden, die alle in einen Psalmvers einmünden: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Psalm 90, 12)

In der Regel zählen wir ja unsere Tage nicht. Wir verplanen sie und wir leben sie, als ob uns eine unbegrenzte Menge von ihnen zur Verfügung stehen würde. Es braucht schon einschneidende Ereignisse, um plötzlich vor der Tatsache zu stehen: Deine Tage sind gezählt; deine Lebenszeit kann nicht beliebig verlängert werden.

Der Dichter Jean Paul hat für diese Erfahrung ein einprägsames Bild gefunden: „Auf jeden Menschen wird in der Stunde der Geburt ein Pfeil abgeschossen, und dieser Pfeil trifft ihn in der Stunde des Todes. Aber manchmal mitten im Leben hören wir das Schwirren dieses Pfeiles.“

Der Tod eines nahen Verwandten, der Abschied von Freunden, die uns etwas bedeutet haben, die Gedenktage, die uns den Verlust lieber Menschen wieder ins Gedächtnis rufen – das sind Momente, in denen wir das Schwirren unseres eigenen Lebenspfeiles hören können.
Wer vom Tod anderer Menschen betroffen ist, wer das Schwirren des Pfeils hört, derkann lernen, seine Tage zu zählen.

Und wer seine Tage zählt, wird versuchen, sie bewusst zu leben und zu gestalten, ihnen Sinn und Inhalt zu geben. Denn es wird ihm immer deutlicher vor Augen stehen, wie kostbar und wertvoll die einzelnen Stunden, Wochen und Jahre sind.

Oder noch einmal mit einem Wort des Dichters Jean Paul: „Das Leben gleicht einem Buch: Toren durchblättern es flüchtig; der Weise aber liest esmit Bedacht, weil er weiß, das er es nur einmal lesen kann.“

Wer weiß, dass er jede Seite seines Lebensbuches nur einmal aufschlagen kann, dass jeder Augenblick einmalig und nicht wiederholbar ist, der wird sich darum bemühen, sehr sorgfältig mit seiner Zeit umzugehen, Wesentliches besser vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Oder mit Worten aus Psalm 90 in der Übersetzung der Zürcher Bibel: Unsere Tage zu zählen, lehre uns, damit wir ein weises Herz gewinnen.

Seien Sie alle herzlich gegrüßt!