Andachten

Andacht Juli 2019

Grüß Gott miteinander!

Er war der einflussreichste Theologe des 20. Jahrhunderts, der ganze Pfarrergenerationen geprägt hat. Ehrendoktorhüte und zahlreiche Auszeichnungen sind ihm verliehen worden, weit mehr als 10.000 Bücher und Artikel sind über ihn geschrieben worden. Doch mit dem ihm eigenen Humor hat Karl Barth über seine Auszeichnungen gesagt: "Wenn ich in den Himmel komme, muss ich alle Doktorhüte und Diplome an der Garderobe abgeben".
Karl Barth wird am 10.5.1886 in Basel geboren. Er studiert Theologie, auch in Deutschland. Nach der Rückkehr in die Schweiz wird er 1911 Pfarrer. In dieser Zeit kommt es zur Wende im theologischen Deken Karl Barths.
Als er 1914 feststellen muss, dass seine deutschen theologischen Lehrer den Kriegseintritt Deutschlands jubelnd begrüßen, bricht für Barth sein eigenes theologisches Denkgebäude zusammen.
Er beschließt zusammen mit seinem lebenslangen Freund Eduard Thurneysen, noch einmal ganz von vorn die Bibel zu lesen, um - wie er sagt -"mir von ihr direkter als bisher sagen zu lassen, was es mit dem Christentum auf sich haben möchte". Das Ergebnis ist ein Kommentar zum Römerbrief des Paulus. Diese Auslegung erregt großes Aufsehen. In mitreißender Sprache rechnet Barth mit allen Versuchen ab, Gott vor den Karren menschlicher Leistungen und kultureller Entwicklungen zu spannen. Gott ist anders, er steht allen menschlichen Anknüpfungen, Vermittlungen und Voraussetzungen absolut frei gegenüber.
Aufgrund dieses Buches wird Barth zum Theologieprofessor in Göttingen berufen. Als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernehmen, wird Barth von Anfang an zum scharfen Gegner der nationalsozialistischen Kirchenpolitik. 1934 verfasst er die "Barmer Theologische Erklärung", das Fundament der Bekennenden Kirche - und noch heute eine Bekenntnisschrift der reformierten Kirche.
Der erste Satz ist zugleich eine kurze Zusammenfassung der gesamten Theologie Karl Barths: "Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben."
Barth muss Deutschland verlassen und geht nach Basel. Er schreibt die "Kirchliche Dogmatik", mehr als 12 Bände mit über 9000 Seiten. Im Alter von 82 stirbt Karl Barth am 10. Dezember 1986 in Basel.

Am Vorabend seines Todes telefoniert er mit seinem Freund Thurneysen über die aktuelle Weltlage, die damals ziemlich düster war. Barth sagte: "Ja, die Welt ist dunkel. Aber nur ja die Ohren nicht hängen lassen. Nie! Es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber von ganz oben, vom Himmel her. Gott sitzt im Regiment."
Sommerliche herzliche Grüße